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28.04.2020

Neue Forschung zu historischen Kontakten zwischen Mensch und Fledermaus

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China-Institut der Charité erhofft sich Erkenntnisse zu Therapiemöglichkeiten von COVID-19

In zahlreichen Berichten wird die gegenwärtige Corona-Pandemie auf eine Fledermaus-Zoonose zurückgeführt. Fledermäuse finden in der chinesischen Medizin (TCM) bereits seit rund zweitausend Jahren Verwendung und könnten schon früher virenbedingte Pandemien ausgelöst haben – für die möglicherweise damals bereits Therapieformen gefunden wurden. Das China-Institut der Charité-Universitätsmedizin Berlin (ICL) untersucht nun historische Aufzeichnungen und erwartet Hinweise auf möglicherweise aktuell nützliche Behandlungsmethoden.

Aus historischen Werken der TCM, wie der Enzyklopädie der Arzneikunde von 1593, lässt sich auf wiederholte enge Kontakte zwischen Mensch und Fledermaus schließen, die möglicherweise schon in früheren Jahrhunderten Epidemien verursacht haben.2 Die historische medizinische Literatur in China hat üblicherweise solche Herausforderungen detailliert dokumentiert. Institutsleiter Professor Dr. Paul U. Unschuld: „Wir gehen davon aus, dass sich in den Rezepturen und deren Krankheitsindikationen die Reaktion der Ärzte auf durch Covid19-ähnliche, virenbedingte Epidemien nachweisen lässt. Daraus erhoffen wir uns Hinweise auf in Jahrhunderten erprobte pflanzliche, tierische und mineralische Substanzen, die sich für die komplementäre Therapie solcher Krankheiten als geeignet erweisen könnten.“

Basierend auf der „Sammlung Unschuld“ in der Staatsbibliothek zu Berlin, haben die Wissenschaftler des ICL aus mehr als 40 000 Rezepturen, die in den vergangenen drei Jahrhunderten von chinesischen Ärzten handschriftlich festgehalten wurden, in mehrstufigen anwendungsbezogenen BMBF-Projekten eine weltweit einzigartige Datenbank erstellt. Diese Datenbank ermöglicht nun die Erforschung der behandelten Indikationen, die diesen langen historischen Zeitraum hindurch aufgezeichnet wurden, im Hinblick auf virenbedingte Krankheiten.

Das ICL-Team wird durch Bicoll Biotechnology München-Shanghai auf dem Gebiet der Identifizierung und Charakterisierung von Wirkmolekülen ergänzt.

 

2 Dieses Nahverhältnis geht aus der chinesischen Enzyklopädie der Arzneikunde (Bencao gangmu) aus dem Jahr 1593 hervor, die bis heute nachgedruckt und als Fundgrube überlieferten Wissens ausgewertet wird. (Für eine Übersetzung relevanter Passagen über die Fledermaus, siehe aktuelle Meldung "Fledermäuse und Chinesische Medizin. Eine Jahrtausende andauernde Beziehung" auf der Institutswebseite).

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Für Anfragen: icl(at)charite.de



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